Inzwischen einer gewissen Tradition folgend fand am 08.06.2011 in Frankfurt/M ein Workshop-Abend unter der Schirmherrschaft des Fachmagazins wissensmanagement statt. Thema diesmal: Wissensarbeit im Enterprise 2.0 – Die IDEA-Methode zur Analyse und Strukturierung von Wissensprozessen.
Neben Stefan (und seinem Erfahrungsschatz aus der T-Systems MMS), Peter (als externer Doktorand und Vertreter von expeet|consulting) und Paul (als Doktorand und Forscher an der TU Dresden), die den Termin inhaltlich gestalten durften, haben sich gut 20 Teilnehmer unterschiedlicher Branchen und Hintergründe im Hotel Monopol am Frankfurter Hauptbahnhof eingefunden.
Unser Ziel war es, die Teilnehmer in gut 2 Stunden mit der IDEA-Methode vertraut zumachen. Kein leichtes Unterfangen! Allem voran fand eine klare Einordnung unseres Wissensmanagement-Verständnisses in die aktuelle Diskussion statt. Es wurde erörtert, warum sich nach dem anfänglichen Hype um Wissensmanagement mehrfach eine gewisse Ernüchterung eingestellt hat, wie heute Wissensmanagement im Enterprise 2.0 funktioniert und wo der Weg eventuell noch hingeht.
Im Zentrum des Vortrags stand anschließend das IDEA-Konzept. IDEA als Analyse-Rahmen zur Unterstützung der Wissensarbeit im Unternehmen und Hinweise darauf, warum sich das Konzept nahtlos in das Verständnis eines wissensorientierten Management einfügt, dienten den Teilnehmern als Grundlage für einen anschließenden Workshop. In knapp 20 Minuten waren die Anwesenden aufgefordert, sich gegenseitig zu interviewen. Dabei galt es, Fragen zu den vier IDEA-Momenten zu beantworten – einerseits, um die ‚Methode’ am eigenen Unternehmen (natürlich nur im kleinen Rahmen) zu erproben, aber auch um eine erste Bestandsaufnahme zu den Momenten anzufertigen und damit Stärken, Schwächen und konkrete Maßnahmen des hauseigenen Wissensmanagements systematisch herauszufiltern (die ausgefüllten Bögen durften die Teilnehmer mit nach Hause nehmen). Zur Abrundung der Veranstaltung folgte der Ergebnisdiskussion und einer gemeinsamen Auswertung der Workshopergebnisse ein kurzer Einblick in das TeamWeb der T-Systems MMS. Für die Teilnehmer nicht zuletzt dank Stefans blumiger Ausführungen ein runder Abschluss – kollektives Köpfe-Nicken.
Fazit: Alles in allem ein gelungener Abend mit positivem Feedback, einer konstruktiven Diskussion und für uns spannende Einblicke in die unternehmerische Praxis. Unsere Aufgabe ist es nun, die Interviewbögen der Teilnehmer auszuwerten und natürlich die geknüpften Kontakte auszubauen. Dazu sicher bald mehr…
Am 25. und 26. Oktober 2011 findet in Dresden die Wissenstagung unter dem Motto “Wissen erfolgreich weitergeben” statt. Natürlich wollen wir auch hier inhaltlich mitgestalten und haben ein Abstract eingereicht…
Seit nunmehr über 20 Jahren zieht das Thema Wissen in der Organisationstheorie und -praxis eine wachsende Aufmerksamkeit auf sich. Wissensmanagement, als zentrale Tätigkeit zur Förderung eines bestmöglichen Umgangs mit diesem Wissen, blickt auf eine Geschichte voller Euphorie und Ernüchterung zurück. Unter besonderer Beobachtung stehen derzeit Web 2.0/Enterprise 2.0 und Social Software im Unternehmenseinsatz, die als neue Generation des Wissensmanagements in aller Munde sind.
Aufbauend auf den Erläuterungen zu einem kontemporären wissensorientierten Management-Verständnis und einer soziokulturellen Enterprise 2.0-Philosophie zielt der vorgeschlagene Beitrag darauf ab, mit der IDEA-Methode ein Konzept zur Optimierung von wissensintensiven Arbeitsprozessen vorzustellen. Damit beleuchtet der Beitrag den Konvergenzbereich zwischen Wissensmanagement und Enterprise 2.0 und beschreibt, wie Unternehmen eine effektive Analyse und Strukturierung der Wissensarbeit in Unternehmen vornehmen können. Das Akronym IDEA steht dabei für die Wissensmomente Interaktion, Dokumentation, Evolution und Adoption, welche Bestandteil eines systemischen Wissensmanagement-Konzepts sind und ganzheitliche Gestaltungskomponenten in den Bereichen Mensch, Organisation und Technik und darüber hinaus abbilden. Das Konzept IDEA wurde 2010 an der TU Dresden im Rahmen einer Forschungsgemeinschaft mit der T-Systems Multimedia Solutions GmbH entwickelt. Über Experten-Workshops, die in der Reihe WISSENnetworx platziert wurden, konnten die Ergebnisse in diesem Jahr verfeinert und mit den Erfahrungen von Praktikern abgeglichen werden. Im Ergebnis zielt der vorgeschlagene Beitrag darauf ab, die Potentiale des Einsatzes von Social Software zum Wissenstransfer im Unternehmen darzustellen und zeigt auf, wie die Optimierung der Wissensarbeit analytisch und strukturiert angegangen werden kann.
Wir, das sind:
- Dipl.-Wirt.-Inf. Peter Geißler expeet|consulting
- Dipl.-Wirt.-Ing. Dada Lin T-Systems MMS GmbH
- Dipl.-Wirt.-Inf. Paul Kruse TU Dresden
- Prof. Dr. Eric Schoop TU Dresden
- Dipl.-Ing. f. Tech. Inform. Stefan Ehrlich T-Systems MMS GmbH
Also Daumendrücken ;o)
Nach meiner Erfahrung werden in der Unternehmenspraxis Maßnahmen des Wissensmanagements häufig aus dem operativen Bedarf heraus, meist ohne ein übergeordnetes Rahmenkonzept eingeführt. Oft werden diese nicht einmal bewusst als Wissensmanagement-Maßnahme verstanden, wie z.B. die obligatorische Einrichtung einer Kaffeeküche (oder Raucherecke!). Nachteil dieser intuitiven Herangehensweise ist jedoch, dass einzelne Maßnahmen keinem übergeordneten Wissensmanagement-Ziel zugeordnet, und untereinander zudem wenig abgestimmt sind.
Im Bestreben, diesem Defizit entgegenzuwirken, und das Diskussionsfeld des Wissensmanagements zu systematisieren, haben zahlreiche Autoren Wissensmanagement-Modelle entwickelt, welche als Rahmenmodelle fungieren. Diese Modelle sollen das theoretische Verständnis erleichtern und bei der praktischen Umsetzung von Wissensmanagement unterstützen.
Im Rahmen meiner Diplomarbeit (Kapitel 2) habe ich mich intensiv mit dem bestehenden Dschungel an Modellen auseinandergesetzt, die Geläufigsten einer Kritik unterzogen, dabei eine Forschungslücke festgestellt – und in Folge dessen ein eigenes, simpel handhabbares Konzept für Wissensmanagement entwickelt: der IDEA-Ordnungsrahmen.

Der IDEA-Ordnungsrahmen (Abb.: Peter Geißler)
„Wissensmanagement ist tot!“
Schon wieder eine Todeserklärung für Wissensmanagement? Mein ewiges Lieblingsthema Wissensmanagement wurde in den letzten 10 Jahren derart oft für tot erklärt, dass ich mir in manchen Momenten selbst etwas morbide vorkomme. Aber die harten Zahlen geben den selbsternannten Leichenbestattern (scheinbar) recht: Die Zahl der Google-Anfragen ist in den letzten Jahren rapide gefallen. Der Sturz vom Peak of Inflated Expectations zum Trough of Disillusionment lässt sich fast wie eine Schablone über die Google-Suchanfragenkurve legen.

Google Trends-Wissensmanagement - 16.07.2010
Es ist wieder KnowTech-Zeit, am 06.10. und 07.10.2009 diesmal in Bad Homburg. Gemeinsam mit der TU-Dresden – Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik insb. Informationsmanagement – haben wir herausgearbeitet, wie Unternehmen zukünftig aufgestellt sein müssen, um am Markt bestehen zu können. Hier der eingereichte Artikel. Der Vortrag findet am 07.10.2009 im Forum 3 – Collaboration und Enterprise 2.0 – von 11:45 bis 12:30 statt (Danke Christoph, für’s Einspringen).
- Herausforderungen für das Wissensmanagements -
Dipl.-Ing. für Techn. Inf. Stefan Ehrlich, T-Systems Multimedia Solutions GmbH
Dipl.-Wirt.-Inf. Peter Geißler, TU Dresden
Dr. Berit Jungmann, T-Systems Multimedia Solutions GmbH
Dipl.-Wirt.-Inf. Hendrik Kalb, TU Dresden
Prof. Dr. Eric Schoop, TU Dresden
Abstract. Wissensmanagement wird im Enterprise 2.0 neu wahrgenommen und muss anders unterstützt werden als bisher. Am Beispiel eines Anwenderunternehmens wird gezeigt, welche Anforderungen an das Zusammenspiel von Mensch, Organisation und Technologie existieren. Untermauert werden die Aussagen durch ein konkretes Anwendungsszenario aus der Praxis. Der Beitrag ist dem Schwerpunkt 2.6 – Collaboration und Enterprise 2.0: Enterprise 2.0 und Wissensmanagement zugeordnet.
1. Ein Enterprise 2.0 Verständnis
Von Enterprise 2.0 spricht man unter anderem, wenn Social Software innerhalb von oder zwischen Unternehmen und ihren Partnern genutzt wird, um Beiträge und Interaktionen global und dauerhaft sichtbar zu machen. Unterstütze Anwendungsfelder sind u. a. Projektmanagement, Wissensmanagement und Innovationsmanagement (vgl. [McA08]).
Es steht jedoch nicht allein die Technologie im Mittelpunkt. In Anlehnung an den Web 2.0-Trend im Internet findet man im Enterprise 2.0 eine Organisationsform mit sehr flachen Hierarchien. Verantwortlichkeiten sind dezentralisiert und Entscheidungen werden dort beschlossen, wo sie aufgrund der nötigen Informations- und Kompetenzdichte am effektivsten getroffen werden können – dezentral. Die Menschen in den einzelnen Teams organisieren und steuern sich selbst, während das Management moderiert und unterstützt. Die Dezentralisierung von Entscheidungsprozessen führt zu einem neuen Bedarf hinsichtlich Informationsfluss und Wissensverteilung. Hier wiederum sind Web 2.0-Tools fast unerlässlich bzw. die eleganteste Lösung.
Derartige Informationssysteme können somit nur durch ein abgestimmtes Zusammenspiel der Gestaltungsdimensionen Mensch, Technik und Organisation funktionieren. Bisher gibt es jedoch keinen (verlässlichen) Blueprint, wodurch eine unternehmensspezifische Ausgestaltung notwendig ist.
Die Forderungen in den drei Dimension Technik, Organisation und Mensch sind aus Sicht des Wissensmanagements nicht neu (vgl. [BWP+98]). Gerade jedoch das Zusammenspiel mit den Technologien des Web 2.0 und deren Einsatz im Unternehmen ermöglichen eine funktionierende Wissensteilung. McAfee benennt hierzu mit SLATES 6 Kriterien nach denen zumindest die Technologie hinsichtlich ihrer Unterstützung eines Enterprise 2.0 Ansatzes bewertet werden kann (vgl. [McA06]).
2. Reflexion konkreter Praxiserfahrungen
Die T-Systems Multimedia Solutions GmbH versteht sich in weiten Teilen als Enterprise 2.0. Flache Hierarchien und ein hohes Maß an Eigenverant-wortung bei den Mitarbeitern in allen Ebenen charakterisieren das Unter-nehmen bereits seit der Gründung 1995 in Dresden. Die Web-Ökonomie entwickelt sich zu schnell und ist zu komplex, um mit einer rein zentral gesteuerten Organisation auf Dauer erfolgreich sein zu können.
Dabei decken die Mitarbeiter in ihrer Summe ein sehr breites Kompetenz-spektrum ab. Die Leistungen reichen vom kreativen und konzeptionellen Bereich über Beratung, Realisierung und Test bis hin zu Support und Be-trieb von Geschäftsanwendungen. Diese Interdisziplinarität der Projekte mit immer wieder neu gemischten Projektteams erfordert einen neuen Ansatz für das Wissensmanagement, damit Lernkurven flach gehalten und Erfah-rungen mit möglichst vielen Kollegen geteilt werden.
Nach außen ist die starke Vernetzung mit Kunden und Partnern eines der wichtigsten Ziele. Neben den bestehenden Kunden- und Partnerbeziehungen veranstaltet das Unternehmen regelmäßig das Dresdner Zukunftsforum sowie den Dresden OpenSpace. Beide Formate besitzen eine Web 2.0-basierte Online Community.
Seit zwei Jahren setzt die T-Systems MMS im internen Wissensmanage-ment ebenfalls auf Web 2.0-Anwendungen. Das TeamWeb ist die zentrale Intranet-Plattform für Austausch, Zusammenarbeit, (Selbst)Organisation und Dokumentation. Darin finden sich unterschiedliche Inhalte, die in folgende Kategorien unterschieden werden:
- Abbildung organisatorischer Informationen zu Unternehmensbe-reichen (Wer macht was, ist wofür zuständig, Portfolio einzelner Business Units etc.)
- Dokumentation von Verfahren und Methoden mit Verbindlichkeit im Unternehmen (Prozessdokumentation inkl. Community, Ablage von Vorlagen und Hilfsmitteln)
- (Zwischen)Ergebnisse konkreter Arbeitsprozesse, welche das TeamWeb als Tool nutzen (Projektmanagement, Angebotserstel-lung, Innovationsmanagement, Anforderungsmanagement etc.)
- Organisation von Wissen (KnowledgeBase mit Beschreibungen zu konkreten Technologien etc.)
- Selbstorganisation von Events, Meetings, etc. (Infothek, Bereichs-meetings, Firmenevents, etc.)
Zum Launch des Systems gab es lediglich erste Basis-Vorgaben, welche Inhalte und Prozesse damit abgebildet werden sollten. Schrittweise haben die Nutzer frei ihre Ideen verwirklichen können. Mittlerweile haben sich konkreten Szenarien herauskristallisiert, welche sich gut im TeamWeb abbilden lassen und reale Mehrwerte in der Anwendung erkennen lassen.
Der Erfolg der T-Systems MMS beruht auf den Kompetenzen der Mitarbeiter. So ist es sehr wichtig, immer die richtigen Kollegen im Projekt zu haben. Das wichtigste Ziel des TeamWebs ist deshalb die Vernetzung der Mitarbeiter und die Identifikation von KnowHow-Trägern. Dies gelingt durch die Verlagerung der alltäglichen Arbeitsprozesse in das TeamWeb. Signifikante Mehraufwände für die Kodifizierung und Pflege von Wissen in Datenbanken – der Grund für das Scheitern klassischer Wissensmanagementkonzepte – entfallen.
3. Fazit: Herausforderungen für das Wissensmanagement im Enterprise 2.0
Schon Erich Kästner wusste „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und gerade Wissensmanagement ist im Enterprise 2.0 kein Selbstläufer. Die folgenden Herausforderungen ergeben sich im Umgang mit Wissen und Unternehmen müssen darauf Antworten finden. Im Know-Tech Vortrag gehen die Referenten auf verschiedene Lösungsansätze explizit ein.
Dimension Mensch:
- Veränderungen in der Art und Weise der Zusammenarbeit (z. B. Protokolle werden live im Wiki geschrieben)
- Steigerung der Informationskompetenz der Mitarbeiter, für einen effizienten und verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen
- Lernen des Umgangs mit Transparenz und Authentizität (z. B. Arbeitsstände werden zu jedem Zeitpunkt transparent)
Dimension Organisation:
- Schaffung und Pflege von flexiblen Strukturen für Inhalte als Antwort auf kreatives Chaos (z. B. Einsatz eines Wiki-Gärtners)
- Etablieren der Wissenskultur und Postulieren des gewünschten und veränderten offenen Umgangs mit dem Faktor Wissen (z. B. Vorleben durch das Management)
Dimension Technik:
- Ausrichtung der IT-Infrastruktur an nutzerorientierten Be-darfen und Unterstützung zur Personalisierung (z. B. Benutzer-Dashboards)
- Integration von Web 2.0-Anwendungen und Legacy Systemen zur Schaffung einer organisatorischen Wissensbasis und zur Identifikation von Ansprechpartnern
Literatur
[BWP+98] Bullinger, H.J.; Warschat, J.; Prieto, J.; Wörner, K.: Wissens-management – Anspruch und Wirklichkeit: Ergebnisse einer Unterneh-mensstudie in Deutschland. Information Management & Consulting, 13 (1).
[Hin97] Hinchcliffe, D.: The state of Enterprise 2.0. http://blogs.zdnet.com/Hinchcliffe/?p=143.
[McA08] McAfee, A.: Eine Definition von Enterprise 2.0. In Buhse, W.; Stamer, S. (Hrsg.): Die Kunst Loszulassen – Enterprise 2.0. Rhombos Verlag, Berlin, 2008, S. 17-35.
[McA06] McAfee, A.: Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration. MIT Sloan Management Review 47 (3), S. 21-28.
