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Dada Lin

IDEA – Ein Ordnungsrahmen für Wissensmanagement

Dada Lin / 22. August 2010 10:08

Nach meiner Erfahrung werden in der Unternehmenspraxis Maßnahmen des Wissensmanagements häufig aus dem operativen Bedarf heraus, meist ohne ein übergeordnetes Rahmenkonzept eingeführt. Oft werden diese nicht einmal bewusst als Wissensmanagement-Maßnahme verstanden, wie z.B. die obligatorische Einrichtung einer Kaffeeküche (oder Raucherecke!). Nachteil dieser intuitiven Herangehensweise ist jedoch, dass einzelne Maßnahmen keinem übergeordneten Wissensmanagement-Ziel zugeordnet, und untereinander zudem wenig abgestimmt sind.

Im Bestreben, diesem Defizit entgegenzuwirken, und das Diskussionsfeld des Wissensmanagements zu systematisieren, haben zahlreiche Autoren Wissensmanagement-Modelle entwickelt, welche als Rahmenmodelle fungieren. Diese Modelle sollen das theoretische Verständnis erleichtern und bei der praktischen Umsetzung von Wissensmanagement unterstützen.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit (Kapitel 2) habe ich mich intensiv mit dem bestehenden Dschungel an Modellen auseinandergesetzt, die Geläufigsten einer Kritik unterzogen, dabei eine Forschungslücke festgestellt – und in Folge dessen ein eigenes, simpel handhabbares Konzept für Wissensmanagement entwickelt: der IDEA-Ordnungsrahmen.

Der IDEA-Ordnungsrahmen

Der IDEA-Ordnungsrahmen (Abb.: Peter Geißler)

Kernelemente des IDEA-Ordnungsrahmen sind vier sogenannte „Wissensmanagement-Momente“. Der neu eingeführte Begriff „Moment“ (lat. „Bewegung“, „Grund“) soll eine Mittelstellung zwischen den in der Betriebswirtschaft bereits geläufigen Begriffen „Sicht“ und „Prozess“ einnehmen, und dabei insbesondere die dynamischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsprozessen und dem individuellen Wissen betonen. Konkret steht das Akronym „IDEA“ für:

Interaktion:

Dieses Moment beschäftigt sich mit der Beschaffenheit sozialer Kommunikationsprozesse.

Wie wird kommuniziert?
Wie häufig wird kommuniziert?
Sind Nachrichten auf Zielgruppen zugeschnitten?
Welche sozialen Beziehungen bilden sich aus?
Welche Communities existieren?

Dokumentation:

Das Moment Dokumentation befasst sich mit der Abbildung und Aufzeichnung von Verlauf und Ergebnissen von wissensintensiven Arbeitsprozessen für eine weitere Verwendung im Unternehmen.

Welche Inhalte werden dokumentiert?
Von wem werden Inhalte dokumentiert?
Wo und wann werden Inhalte dokumentiert?

Evolution:

Das Moment Evolution misst, inwiefern Weiterentwicklungen der organisationalen Wissensbasis gefördert werden.

Wie wird mit neuen Erfahrungen umgegangen?
Wie wird aus Fehlern gelernt?
Gibt es festgefahrene, starre Denkstrukturen (z.B. Betriebsblindheit)?
Welche Aspekte sollten nicht in Frage gestellt werden?
Kommen Kreativitätstechniken zum Einsatz?

Adoption:

Beim Moment Adoption wird die individuenseitige (Re-)Konstruktion von Wissen aus Daten betrachtet.

Wie werden relevante Daten wahrgenommen?
Wie werden wahrgenommene Daten interpretiert?
Erfolgt eine Verinnerlichung des Gelernten?

Eine an den vier Momenten des IDEA-Ordnungsrahmens ausgerichtete Analyse wissensintensiver Arbeitsprozesse kann helfen, die Ursache von möglichen Problemen im Umgang mit Wissen zu identifizieren und Optimierungspotentiale zu erkennen, sowie Maßnahmen in den Handlungsfeldern Technologie, Organisation und Mensch einzuleiten.

In Kapitel 5 meiner Diplomarbeit wird gezeigt, wie der IDEA-Ordnungsrahmen im praktischen Einsatz verwendet werden kann, um die Eignung einer wiki-basierten Enterprise 2.0-Plattform für Wissensmanagement zu überprüfen.

Wie ist eure Erfahrung mit Wissensmanagement-Rahmenmodellen?

Ich freue mich auf euer Feedback!