Diese und andere Fragen, denen man im Umgang mit Open Innovation (OI) begegnet, wurden am 24.06. in den Räumen der Fakultät Informatik der TU Dresden auf einer eigens veranstalteten Werktagung diskutiert. Unter dem Titel „Open Innovation unter Wettbewerbern – Konzepte und rechtliche Rahmenbedingungen“ standen neben Praxiserfahrungen vornehmlich die rechtlichen Rahmenbedingungen von OI im Fokus. Da ich selbst mit der Juristerei wenig zu tun habe, mich aber im Rahmen meiner Dissertation indirekt mit dem Thema beschäftige, erhoffte ich mir einige interessante Einblicke in z. T. noch ungeklärte Problembereiche unterschiedlicher OI-Ansätze.
Nach der Eröffnung ebnete Prof. Kathrin Möslein (Uni Erlangen-Nürnberg, Handelshochschule Leipzig) den Weg in das Thema Open Innovation. Die vielen, sehr plastischen Beispiele aus dem In- und Ausland konnte ich nicht alle mitschneiden. Insgesamt bot der Vortrag aber einer sehr anschaulichen Einblick in verschiedene OI-Ansätze mit vielen Gewinnern (hyve.de, unserAller.de, CloudFab.com, gemeinsamselten.de usw.) eher wenigen Verlierern (Pril.de). Hängen geblieben sind zudem einige Fragen, denen ich vielleicht selbst einmal auf den Grund gehen sollte:
- Wie motiviere ich Mitglieder zur Innovation in Communities (Abnutzungseffekte vs. Anreize)?
- Warum ist OI derzeit noch sehr produktorientiert? Sind andere Artefakte (Dienstleistungen?), die offen innoviert werden können, möglich? und
- Welche Brücken müssen noch geschlagen werden, um Unternehmen den Einsatz Innovation Communities näher zu bringen?
Im zweiten Teil der Tagung widmeten sich die Referenten Praxiserfahrungen.
Carsten Puschke von der SAP Research lieferte einen Einblick in die sog. Living Labs von SAP. Im Rahmen der Future Factory Initiative wurde am Standort Dresden eine F&E-Plattform geschaffen, die „Innovation greifbar und anschaulich machen“ soll. Mit einer kleinen Webcam Demo durften wir Forschern der SAP sogar live über die Schultern schauen. Im Vordergrund stand schlussendlich aber die Frage nach zu treffenden Regelungen im Bereich von B2B-Innovationen. Strittige Rechtsfragen der Zusammenarbeit in der Entwicklung und seitenlange Agreements seien wohl keine Seltenheit. Dennoch, so Puschke, stellen diese für SAP Research kein wirkliches Hemmnis für Innovation dar. Dank ausgefeilter Vertragstemplates sei man in Dresden inzwischen auf die meisten Eventualitäten vorbereitet.
Ob im B2B-Bereich noch von Open Innovation geredet werden kann, wie Prof. Möslein eingangs aufgezeigt hat, bezweifle ich. Ich sehe hier eher die Co-Innovation – so lautet auch der Titel des Vortrags. Open ist nicht immer gleich open. J
Christof Knop vom Private Equity Geber Ventizz beleuchtete im zweiten Vortrag die Sicht der Investoren. An einem Fallbeispiel (exceet Group AG) stellte er dar, wie aus einem eher unbedeutenden kleinen Unternehmen (AEMtec GmbH) über gezieltes Buy & Build ein Unternehmen aufgebaut werden konnte, dass inzwischen über die gesamt Wertschöpfungskette im Bereich Embedded Solutions/Electronic Manufactoring Services tätig ist. Der Hinweis, dass es oftmals sinnvoller sei, sich auf der Suche nach Geldgebern im Vorfeld weniger an VCG, sondern erst bei Bestehen eines profitablen (wennauch kleinen) Geschäfts an PEG zu wenden, ist bei mir hängen geblieben. Dass auch hier die rechtlichen Regelungen kein Selbstläufer sind, war nicht nur den anwesenden Anwälten klar.
Frisch gestärkt übernahm Dr. Sebastian Wündisch (Noerr LLP) nach der Mittagspause das Zepter und damit den dritten Teil der Tagung. Schwerpunkt hier: die rechtlichen Rahmenbedingungen von Open Innovation. Die Gesetzgebung zu NDAs, geistigen Eigentumsrechten (Allokation, Umgang mit IP, Vergütung, Beteiligung, Vertraulichkeit usw.), Qualitätssicherung/Gewährleistung, Haftung, Verantwortung aus Innovationsprozessen bzw. deren Ergebnissen sei zwar einigermaßen klar, i. d. R. aber nicht unmittelbar auf den besonderen Anwendungsfall zugeschnitten. „Offene Innovationsprozesse erfordern daher einen neuen Eigentumsbegriff“ i. S. e. „netzwerkgerechten Eigentumsschutzes“, so Dr. Wündisch.
Dr. Markus Zirkel von der Fraunhofer-Gesellschaft weist anschließend in seinem Vortrag darauf hin, dass die Probleme, die von Dr. Wündisch angedeutet wurden, im Prinzip seit jeher bestünden. Heute firmiere die offene Innovation nur unter dem Buzzword „Open Innovation“ und werfe damit oft einen längeren Schatten als das vielleicht nötig sie. Fragen wie ‚Welche Ergebnisse können welcher Person zugeordnet werden?’ ‚Wer ist daher wie zu vergüten?’ usw., die klare Antworten benötigen, setzen oft umfangreiche Agreements voraus. Inwieweit strikte Regelungen und Absprachen den Gedanken der Open Innovation korrumpieren, wurde in diesem Vortrag erneut ergebnisoffen diskutiert.
Dr. Thomas Söbbing (Deutsche Leasing IT GmbH) schlägt abschließend in die selbe Kerbe. Ihm falle bei der rechtlichen Beratung seiner Klienten häufig eine gewisse „Naivität“ auf. Entwickler tendieren dazu, sich kaum um Rechtsfragen zu kümmern, auch dann nicht, wenn die Innovation kurz vor der Markteinführung stehe. Die Zusammenarbeit mit den Ko-Innovatoren habe ja bisher geklappt, warum also einen Rechtsanwalt hinzuziehen, der nur alles verkompliziert?! Dass sich aus einer solchen Haltung häufig Streitigkeiten (bspw. bei der Vergütung) ergeben, ist vorprogrammiert. Wenn mit Open Innovation die Verantwortung nun auch noch auf die Schultern einer Vielzahl von Beteiligten verteilt wird, senkt das kaum das Konfliktpotenzial.
Es gilt, und das ist m. E. der zentrale Punkt der Werktagung, den Grundgedanken des Open Innovation für sich zu hinterfragen. Viele sind sich der entstehenden (rechtlichen) Verantwortung nicht bewusst. Wissen Unternehmen, was damit auf sie zukommt? Welchen Einfluss hat z. B. die steigende Internationalität von Open Innovation? Eine eigene OI-Ordnung wird es nicht geben. Der Einfluss klarer Regelungen auf die Innovationsfähigkeit ist m. E. nicht geklärt. Unklar ist auch, wie Teilnehmer ggf. trotz umfassender rechtlicher Vereinbarungen zur Teilnahme motiviert werden können. Zudem müssen Unternehmen darauf achten, das entwickelte geistige Eigentum für sich zu schützen. Wer seinen Innovationsprozess und dessen Ergebnisse schützen möchte, wird in Zukunft mehr und mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um seine IPs zu schützen.
Nach meiner Erfahrung werden in der Unternehmenspraxis Maßnahmen des Wissensmanagements häufig aus dem operativen Bedarf heraus, meist ohne ein übergeordnetes Rahmenkonzept eingeführt. Oft werden diese nicht einmal bewusst als Wissensmanagement-Maßnahme verstanden, wie z.B. die obligatorische Einrichtung einer Kaffeeküche (oder Raucherecke!). Nachteil dieser intuitiven Herangehensweise ist jedoch, dass einzelne Maßnahmen keinem übergeordneten Wissensmanagement-Ziel zugeordnet, und untereinander zudem wenig abgestimmt sind.
Im Bestreben, diesem Defizit entgegenzuwirken, und das Diskussionsfeld des Wissensmanagements zu systematisieren, haben zahlreiche Autoren Wissensmanagement-Modelle entwickelt, welche als Rahmenmodelle fungieren. Diese Modelle sollen das theoretische Verständnis erleichtern und bei der praktischen Umsetzung von Wissensmanagement unterstützen.
Im Rahmen meiner Diplomarbeit (Kapitel 2) habe ich mich intensiv mit dem bestehenden Dschungel an Modellen auseinandergesetzt, die Geläufigsten einer Kritik unterzogen, dabei eine Forschungslücke festgestellt – und in Folge dessen ein eigenes, simpel handhabbares Konzept für Wissensmanagement entwickelt: der IDEA-Ordnungsrahmen.

Der IDEA-Ordnungsrahmen (Abb.: Peter Geißler)
Letztens bin ich mit dem Motorrad heim gefahren. Es war schon spät und die Sonne stand tief. Der Motor schnurrte leise grummelnd vor sich hin. Alles war in goldens Licht getaucht. Es ging vorbei an kleinen Dörfern, Sonnenblumenfeldern und riesigen Flächen voll Getreide. Irgendwie wurde ich immer langsamer 120-100-80. Auf einigen Feldern fuhren noch die Mähdrescher. Alle 100 Meter ein anderer Geruch. In den kleinen bewaldeten Schluchten durch die sich die Landstrasse schlängelte war es teilweise richtig kalt. Bergauf wartete wieder die Sonne (80-100-120).
Das soll jetzt kein Reisebericht Dresden-Döbeln für Biker werden, ich hab dabei über Innovation nachgedacht. Ich hätte zum Beispiel mein Motorrad einem Mitarbeiter eines Verlags geben können, nennen wir ihn Marco, die sich auf Reiseberichte spezialisiert haben. Er könnte das noch viel viel schöner beschreiben wie ich. Aber was ist, wenn Marco eigentlich lieber Fahrrad fährt, oder/und keinen Führerschein hat? Schreiben kann er desswegen sicher trotzdem gut, aber kann er nachvollziehen, warum ich Motorrad fahre? Würde er die Details beschreiben, die ein Motorradfahrer interessieren oder einfach nur die Landschaft?
Worauf ich hinaus will: Will ich meine innovative Idee wirklich abgeben? An einen Bereich, einen Prozess? Dort wo andere mit wesentlich weniger Feuer und Leidenschaft versuchen, meine Idee in Geld zu verwandeln und ich dabei bestenfalls nur mitmachen darf? Was hab ich dann noch davon? Will ich nicht vielmehr Hilfe beim groß machen, mich selbst kümmern?
Selbstverständlich gibt es Ideen, die kommen einem einfach so und man hat dafür eigentlich garkeine echte Leidenschaft. Die fangen meisten an mit “Es wäre schön wenn …” und enden mit ” … noch besser.”. Treffen diese Ideen auf einen Prozess, kommt meistens nichts mehr bei raus. Hier ist es ganz wichtig, vielleicht doch einen Treiber zu finden, der für diese Idee brennen kann.
Ein Problem bei Innovationsprozessen liegt darin, dass man Leidenschaft schwer abgeben kann. Ich denke es ist wichtig, dass denen, die für eine Idee brennen, geholfen wird diese selbst weiter zu entwickeln und nicht gegen eine Prämie die Idee weggenommen wird. Natürlich spielen hier Ansehen und Reputation eine Rolle, “Seht mal, was ich geschafft hab”. Aber das ist nicht schlimm … das treibt uns alle.
Ich habe grade den neuen Daily Dueck gelesen. Da geht es um den Versuch, Innovation in einen Prozess zu pressen und natürlich auch darum, damit das schnelle Geld zu verdienen. In gewohnter heiterer Weise sehen wir schnell, was in der Wirtschaft heute schief läuft ![]()
Ideen werden gesammelt, auch wenn grad keine da sind. Das führt zu fragwürdigen Innovationen wie “besser” und “premium”. Die Frage, wo und wann verdienen wir Geld, wird nicht beantwortet, weil sie nicht gestellt wird. Auch die Umsetzung von bedenklichsten Ideen wird erzwungen, weil der Prozess ja laufen muss und das Unternehmen ohne Innovationen ja bald vom Markt verschwindet. Das wiederum steigert die Kreativität für Ausweichstrategien, z.B. werden einfach alle Projekte als innovativ deklariert – echte Innovationen bleiben aus.
Prof. Dr. Gunter Dueck schließt mit den Worten
Innovation geht so nicht – aber wie dann?
(Fortsetzung folgt)
Ich versuch mal schneller zu sein.
Ein anderer Weg, Innovationen zu Geld zu transformieren, könnte wie folgt aussehen:
Man sagt den Mitarbeitern, an wen sie sich mit ihren Ideen wenden können, läd sie quasi ein und ermuntert sie. Selbstverständlich ist der Innovationsbereich eines Unternehmens die richtige Adresse dafür. Dort werden die Ideen gesammelt. Fortschrittliche Unternehmen setzten dann auf die Bewertung der Ideen durch die Mitarbeiter. Dafür kann man ganz gut Wikis oder Blogs verwenden und kommt damit je nach Auslastungssituation und Affinität der Belegschaft schnell zu viel Feedback. Wenn man es richtig anstellt, wird die Idee dabei gleich noch runder und realistischer (ist ja Web2.0).
Im nächsten Schritt entscheidet dann der Innovationsbreich, wie mit der Idee weiter verfahren wird.
Häufig nehmen sich Kollegen aus dem Innovationsbereich der Idee an, verfolgen sie weiter, machen (Markt-)Analysen oder bauen Prototypen.
Eine andere Variante ist der Start eines internen Projektes, welches zum Teil auf das Budget des Innovationsbreichs läuft und zum Teil auf Kosten der Bereiche, die mit der Innovation später Geld verdienen wollen. Selbstverständlich kommt der Projektleiter aus dem Innovationsbreich, da er sich ja mit Innovationen auskennt und ein Kollege aus der Produktion gar keine Zeit hat, diesen Job zu machen.
In mehreren Phasen mit Reviews durch die Geschäftsführung nähert man sich dann der Produkt- bzw. Portfolioreife, übergibt das Projekt dann in die Produktionsbereiche oder gründet einfach einen neuen.
Ist das näher dran? Geht das so?
(Fortsetzung folgt)