Stefan Ehrlich

Web 2.0 führt doch eh nur zu Mittelmaß

Stefan Ehrlich / 17. Mai 2011 06:05

Diesen Satz sage kürzlich ein Kollege zu mir. Es war in einem Vorbereitungs-Meeting zur Strategieentwicklung für unser Unternehmen. Und es ging um Partizipation. Da mich dieser Satz nicht mehr losgelassen hat hab ich mal versucht, Aspekte zu finden, die dafür sprechen. Ich glaub sogar, dass man das über Enterprise  2.0 sagen kann (um zu provozieren versteht sich ;o) )

  • Diskussionen nach den Geflogenheiten des Web2.0 ermöglichen jedem mitzumachen. Alle können mitschreiben, kommentieren, ihre Meinung einbringen. Nach den Regeln der Statistik (Gausssche Glockenkurve) entsteht dabei der Mittelwert aller Meinungen. Kollektive Intelligenz heißt das dann und führt zum Globalkonsens. Das ist dann wirklich das Optimum, die beste Lösung? Zumindest ist es die von den meisten akzeptierte Lösung, und damit natürlich die Beste. Aber was ist mit kritischen unbequemen Entscheidungen?
  • Selbstvermarktung ist im Social Web wichtig. Wer nicht postet existiert nicht. So auch in Social Intranets, wer als Experte wargenommen werden will muss sich zeigen. Leider wird es so in Firmen wahrscheinlich auch immer schwerer Poster von Posern zu unterscheiden? Vor allem, wenn das Management so großen Wert auf die Leuttürme der Partizipation legt. Die echten Experten, die täglich 10 Stunden Arbeiten, gehen da leider unter.
  • Web2.0 funktioniert im Unternehmen nur, wenn es freiwillig geschieht sagt man. Sind es nun wirklich die gewünschten Experten, die freiwillig mitmachen?
  • Und da sich nun vermehrt Freiwillige (die auch Zeit haben, weil das Management Freiräume schafft) in Interest Groups oder Communities of Practise um die wichtigen Themen kümmern und sich verantwortlich fühlen werden die Verantwortlichkeiten generell immer unschärfer. Immer mehr “Experten” machen mit, haben etwas zu sagen. Die Kreise in denen Entscheidungen unter dem Label der “Partizipation” diskutiert werden, werden immer größer, wir werden langsamer, Mittelmaß.

Momentan sind die meisten Unternehmen noch weit vom Enterprise 2.0 entfernt. Wichtig ist, dass wir aufpassen, dass das Pendel nicht gleich in’s Extrem der absoluten Freiheit und damit Beliebigkeit ausschwingt. Wenn alle alleine laufen dürfen (was auf jeden Fall menschlicher ist als in Prozesse eingequetscht zu werden und täglich Kennzahlen zu reporten), dann ist eine Gruppe von Personen wichtig, die das Ziel aufzeigt.

Wenn Mitarbeiter partizipieren, mitgestalten dürfen, so braucht es gerade darum eine starke Führung (und trotzdem Regeln und Prozesse).