Diesen Satz sage kürzlich ein Kollege zu mir. Es war in einem Vorbereitungs-Meeting zur Strategieentwicklung für unser Unternehmen. Und es ging um Partizipation. Da mich dieser Satz nicht mehr losgelassen hat hab ich mal versucht, Aspekte zu finden, die dafür sprechen. Ich glaub sogar, dass man das über Enterprise 2.0 sagen kann (um zu provozieren versteht sich ;o) )
- Diskussionen nach den Geflogenheiten des Web2.0 ermöglichen jedem mitzumachen. Alle können mitschreiben, kommentieren, ihre Meinung einbringen. Nach den Regeln der Statistik (Gausssche Glockenkurve) entsteht dabei der Mittelwert aller Meinungen. Kollektive Intelligenz heißt das dann und führt zum Globalkonsens. Das ist dann wirklich das Optimum, die beste Lösung? Zumindest ist es die von den meisten akzeptierte Lösung, und damit natürlich die Beste. Aber was ist mit kritischen unbequemen Entscheidungen?
- Selbstvermarktung ist im Social Web wichtig. Wer nicht postet existiert nicht. So auch in Social Intranets, wer als Experte wargenommen werden will muss sich zeigen. Leider wird es so in Firmen wahrscheinlich auch immer schwerer Poster von Posern zu unterscheiden? Vor allem, wenn das Management so großen Wert auf die Leuttürme der Partizipation legt. Die echten Experten, die täglich 10 Stunden Arbeiten, gehen da leider unter.
- Web2.0 funktioniert im Unternehmen nur, wenn es freiwillig geschieht sagt man. Sind es nun wirklich die gewünschten Experten, die freiwillig mitmachen?
- Und da sich nun vermehrt Freiwillige (die auch Zeit haben, weil das Management Freiräume schafft) in Interest Groups oder Communities of Practise um die wichtigen Themen kümmern und sich verantwortlich fühlen werden die Verantwortlichkeiten generell immer unschärfer. Immer mehr “Experten” machen mit, haben etwas zu sagen. Die Kreise in denen Entscheidungen unter dem Label der “Partizipation” diskutiert werden, werden immer größer, wir werden langsamer, Mittelmaß.
Momentan sind die meisten Unternehmen noch weit vom Enterprise 2.0 entfernt. Wichtig ist, dass wir aufpassen, dass das Pendel nicht gleich in’s Extrem der absoluten Freiheit und damit Beliebigkeit ausschwingt. Wenn alle alleine laufen dürfen (was auf jeden Fall menschlicher ist als in Prozesse eingequetscht zu werden und täglich Kennzahlen zu reporten), dann ist eine Gruppe von Personen wichtig, die das Ziel aufzeigt.
Wenn Mitarbeiter partizipieren, mitgestalten dürfen, so braucht es gerade darum eine starke Führung (und trotzdem Regeln und Prozesse).
Ich habe grade den neuen Daily Dueck gelesen. Da geht es um den Versuch, Innovation in einen Prozess zu pressen und natürlich auch darum, damit das schnelle Geld zu verdienen. In gewohnter heiterer Weise sehen wir schnell, was in der Wirtschaft heute schief läuft ![]()
Ideen werden gesammelt, auch wenn grad keine da sind. Das führt zu fragwürdigen Innovationen wie “besser” und “premium”. Die Frage, wo und wann verdienen wir Geld, wird nicht beantwortet, weil sie nicht gestellt wird. Auch die Umsetzung von bedenklichsten Ideen wird erzwungen, weil der Prozess ja laufen muss und das Unternehmen ohne Innovationen ja bald vom Markt verschwindet. Das wiederum steigert die Kreativität für Ausweichstrategien, z.B. werden einfach alle Projekte als innovativ deklariert – echte Innovationen bleiben aus.
Prof. Dr. Gunter Dueck schließt mit den Worten
Innovation geht so nicht – aber wie dann?
(Fortsetzung folgt)
Ich versuch mal schneller zu sein.
Ein anderer Weg, Innovationen zu Geld zu transformieren, könnte wie folgt aussehen:
Man sagt den Mitarbeitern, an wen sie sich mit ihren Ideen wenden können, läd sie quasi ein und ermuntert sie. Selbstverständlich ist der Innovationsbereich eines Unternehmens die richtige Adresse dafür. Dort werden die Ideen gesammelt. Fortschrittliche Unternehmen setzten dann auf die Bewertung der Ideen durch die Mitarbeiter. Dafür kann man ganz gut Wikis oder Blogs verwenden und kommt damit je nach Auslastungssituation und Affinität der Belegschaft schnell zu viel Feedback. Wenn man es richtig anstellt, wird die Idee dabei gleich noch runder und realistischer (ist ja Web2.0).
Im nächsten Schritt entscheidet dann der Innovationsbreich, wie mit der Idee weiter verfahren wird.
Häufig nehmen sich Kollegen aus dem Innovationsbereich der Idee an, verfolgen sie weiter, machen (Markt-)Analysen oder bauen Prototypen.
Eine andere Variante ist der Start eines internen Projektes, welches zum Teil auf das Budget des Innovationsbreichs läuft und zum Teil auf Kosten der Bereiche, die mit der Innovation später Geld verdienen wollen. Selbstverständlich kommt der Projektleiter aus dem Innovationsbreich, da er sich ja mit Innovationen auskennt und ein Kollege aus der Produktion gar keine Zeit hat, diesen Job zu machen.
In mehreren Phasen mit Reviews durch die Geschäftsführung nähert man sich dann der Produkt- bzw. Portfolioreife, übergibt das Projekt dann in die Produktionsbereiche oder gründet einfach einen neuen.
Ist das näher dran? Geht das so?
(Fortsetzung folgt)